Frankreich kann auf die Bombardierung Syriens nicht stolz sein


Die Franzosen wollen eine starke Führung, aber eine unabhängige

von Roland Hureaux*, Frankreich

Ich schäme mich dreifach für Frankreich, dessen Streitkräfte an den «Schlägen» (ein Euphemismus für Bombardierung) in Syrien teilgenommen haben.

Erstens, weil der Ausgangspunkt für diese angeblichen Strafmassnahmen eine Lüge ist. Wer die Ereignisse in Syrien seit mehreren Jahren verfolgt, weiss, dass der Einsatz chemischer Waffen nie mit Sicherheit Bashar al-Assad zugeschrieben werden konnte. Der amerikanische Verteidigungsminister General James Mattis hat dies kürzlich anerkannt. Dies war insbesondere am 21. August 2013 in der Region Ghouta der Fall, wo sich nach einem internationalen Aufschrei – ähnlich demjenigen, den wir gerade erlebt haben – herausstellte, dass es sich um eine Provokation der islamistischen Gruppe al-Nusra (al-Kaida) gehandelt hatte. Dank dem vom britischen Parlament gegenüber der Regierung ausgesprochenen Interventionsverbot konnte eine sehr gefährliche Eskalation vermieden werden. Wie könnte Assad so verrückt sein, chemische Waffen – und zwar wenig wirkungsvolle – in dem Moment einzusetzen, in dem er gerade den Kampf um die letzten Stellungen in der Region Ost-Ghouta gewonnen hat? Es kann nicht die Aufgabe Frankreichs sein, auf Grund von Lügen das Leben seiner Soldaten zu gefährden.

Zweitens, weil unser Land in dieser Angelegenheit den Eindruck erweckt, dass es sich der Nato und damit den Vereinigten Staaten völlig unterworfen hat. Es benimmt sich wie der kleine Kläffer, der dem grossen Hund nachrennt – und manchmal versucht, ihn zu überholen. Eine unwürdige Rolle, die Präsident Macron Frankreich spielen lässt. Er hofft zweifellos, dass ihn eine militärische Aktion populär machen wird – aber sicher nicht unter diesen Bedingungen. Die Franzosen wollen einen starke Führung, aber eine unabhängige. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie ihm für diese erbärmliche Expedition dankbar sein werden. ..weiterlesen…

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