Warum heute keine Revolution mehr möglich ist – Byung-Chul Han (Philosoph)


Das unterworfene Subjekt ist sich hier nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst. Es wähnt sich in Freiheit. Diese Herrschaftstechnik neutralisiert den Widerstand auf eine sehr effektive Art und Weise.
Man wendet Gewalt gegen sich selbst an, statt die Gesellschaft verändern zu wollen. Die Aggression nach außen, die eine Revolution zur Folge hätte, weicht einer Selbstaggression.

 

Die soziale Ungleichheit nimmt weltweit zu und führt zu massiver Kritik am neoliberalen Herrschaftssystem. Die Menschen murren, der Ruf nach einem Systemwechsel wird lauter. Das ist auch schon alles.

Der Philosoph Byung-Chul Han erklärt, warum heute keine Revolution mehr möglich ist.

Als es vor einem Jahr in der Berliner Schaubühne zu einer Debatte zwischen Antonio Negri und mir kam, stießen zwei Kapitalismuskritiken frontal aufeinander.

Negri schwärmte für Möglichkeiten des globalen Widerstandes gegen das „Empire“, das neoliberale Herrschaftssystem. Er präsentierte sich als kommunistischer Revolutionär und bezeichnete mich als skeptischen Professor. Emphatisch beschwor er die „Multitude“, die vernetzte Protest- und Revolutionsmasse, der er es offenbar zutraute, das Empire zu Fall zu bringen. Mir erschien die Position des kommunistischen Revolutionärs zu naiv und realitätsfern. So versuchte ich, Negri zu erklären, warum heute keine Revolution mehr möglich ist.     …weiterlesen…

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