Freiheit oder Verführung? Eine kleine Maus hat geantwortet.

Am heutigen Vollmond kurz nach Mitternacht – schnappte die Falle zu. Endlich! Was für ein magischer Moment: Vollmond, Mitternacht und – meine Erlösung!

Damals, aus einem noch unerfindlichem Grund wach geworden, wollte ich mir erstmal einen Kaffe machen (ja, ich kann danach immer noch sehr gut wieder einschlafen  😉 ) und wartete an der Kaffeemaschine, bis das grüne Lämpchen zur Freigabe aufleuchten würde. Als ich so vor der Maschine stehe, huscht irgend ein merwürdiger, befremdlicher Schatten an meinem linken Auge vorbei, was mich schon mal stutzig werden liess. Hatten mich irgendwelche Geister geweckt in dieser Nacht? Die halbwegs erlösende, ganz reale Antwort kam nach ein paar Sekunden, als mich zwischen dem Geschirr-Abtropfgestell und der Kaffeemaschine eine kleine, freche Maus angrinste – mindestens etwa drei Sekunden lang, was ich schon recht dreist, wiederum aber auch sehr witzig fand. Als ich sie fragte, was sie denn hier machen würde , verschwand sie naturgemäss so schnell, wie sie in mein Blickfeld eingedrungen war. Erst als ich mich im Umfeld der Kaffeemaschine etwas genauer umsah, konnte ich ihre kleinen, schwarzen Hinterlass-Röllchen an einigen Stellen entdecken. Der Kaffe schmeckte aber trotzdem gut, auch wenn das vielleicht nur pure Einildung war, da ich mich erstmal sammeln musste, wie im Vorsommer eine Maus es schaffte, bis zum 2. Stock in eine Wohnung einzudringen. Sowohl Jahreszeit noch den Ort fand ich gewöhnungsbedürftig, diesen Vierbeiner anzutreffen.

Aktion ‘Erlösung von einer kleinen Maus’ war also angesagt, welche seit Tagen in der Wohnung herumgeistert und ihre Ausscheidungsspuren überall verbreitet, ausgelöst durch einer Nahrung, die zur gegenwärtigen Blütezeit im Garten sicher bekömmlicher wäre.

Da ich an Besucher-Innen zwar meisten Freude habe, aber mit Vorzug, wenn sie angemeldet sind, ich sie bereits kenne oder dann unbekannterweise, wenn sie mich wenigstens nicht in der ganzen Wohnung mit schwarzen, kleinen Hinterlassenschaften beglücken und dann auch noch ungefagt das anknabbern, was ich für meine ureigene Nahrungsbewältigung vorgesehen habe. Falls jetzt bereits schon die ersten Kritiker auftauchen sollten: ich koche liebend gerne für meine Besucher-Innen, welche bis anno Dato auch noch immer die Toilette hier finden konnten 😀 .

Meine kleine vierbeinige Besucherin einfangen zu können, war natürlich zum vornherein schon mal eine abgemachte Sache: ohne zusätzliche Hilfmittel, eine Hoffnung ohne Aussicht. Eine Mausefalle musste her.
Eine Freundin gab mir den Tip, ein Festessen für den kleinen Störenfried aufzutischen: Haselnusscreme. Hmmm, kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich bis zu diesem Tage der handelsüblichen Meinung verfallen war, mit Speck oder Käse würde man diese Vierbeiner fallengerecht kanalisieren können. Also dann mal etwas Neues von der Mäuse-Nahrungs-Pyramide aufgetischt. Falle gekauft und mit besagter Lockmalzeit aufgefüllt.

frisch aufgestellt …

Das kleine Töpfchen, gefüllt mit feiner Nusscreme wurde in Stellung gebracht. Allerdings zwei Nächte ohne Erfolg meinerseits. Tatsächlich aber konnte diese clevere, temporäre Mitbewohnerin das Naschtöpfchen auf die Seite kippen und teilweise ausschlecken, um sich dann aber wieder locker vom Verführungsacker zu machen.

von der Maus gekippt (nachgestellt) und Töpfchen ausgenascht

Tja, der Schnappmechnismus war etwas zu stark eingestellt. Ich hatte das Ding wohlweislich im Bad installiert und nicht in der Küche, da ich ja zweimal bei der schwindenden Nusscreme im Bad sehen konnte, dass sie die ganze Wohnung durchforstet, andererseits ich nicht selber durch das laute Schnappgeräusch der Falle, schon wieder mitten in der Nacht, aufgeweckt werden wollte.

In einer der folgenden Nächte klappte es dann tatsächlich. Noch wach, vertieft in eine Arbeit, kurz nach Mitternacht bei Vollmond, erschreckte mich dann dennoch besagtes Geräusch im Bad. Als Mausefallenkenner-Neuling hatte ich das Geräusch so ja auch noch gar nicht abspeichern können. Tatsächlich: Experiment gelungen! Diesmal schaute mich das kleine Ding nicht mehr ganz so frech an, wie in der Nacht, als ich so früh geweckt wurde. Ich sagte ihr, dass ich sie am Morgen freilassen würde, sie aber als Erinnerung, wie es sich anfühlt, ständigt gemobbt zu werden (nein, keine Rachegelüste), die wenigen, restlichen Stunden in ihrer neuen Gitterwohnung absitzen dürfe. Sie hatte ja mehr als genug zu naschen. Und der Boden war auch nicht kalt.

Um sieben Uhr aufgestanden, um meine kleine Besucherin endlich freizulassen. Diese Überraschung war mehr als gelungen: KEINE Maus mehr in der Falle. Erst etwas irritiert, in der Annahme, dass sie ganz sicher nicht mehr alleine da herauskommen würde, musste ich dann doch von Herzen lachen. Ein typisch-klassischer Fall von denkste.
Wurde mir doch schlagartig bewusst, was für Kräfte man freisetzen kann – Adrenalin hab dank – wenn es um die eigene Freihet geht. Tatsächlich war der Naschtopf noch voll (wie Foto oben), im Gegensatz zu den Nächten zuvor. Sie hatte sich ganz klar entschieden: erst mal Raus hier! Ob aus Angst, Freude oder sogar aus Protest, zurück blieben die vertrauten, kleinen, schwarzen Mäusewürstchen – zum Abschied.


Der einzige, verbliebene ‘Beweis’ (Mäusewürstchen), da ich alles andere vorhatte, als eine MäuseReportage durchzuführen 😉

 

Nachdem ich mich etwas gesammelt hatte, wurde mir dann nachhaltig die Lektion – für uns alle – erkenntlich.
In einer Welt voller Täuschungen und Verführungen, welche uns inzwischen an den Rand unserer menschlichen Existenz gebracht haben (wie diese Seiten seit vielen Jahren mit tausenden Beiträgen dazu informiert), geht es nicht weniger darum, dass wir uns – sehr bald – als Kollektiv entscheiden müssen, ob wir die Freiheit wählen oder uns dann doch lieber dem Naschtopf widmen wollen, zu einem Preis, der leider noch immer den Wenigsten bewusst ist: die totale Selbstaufgabe.

Danke der kleinen, starken, cleveren Maus für diese Lektion. Deine Freihet hast du dir redlich verdient – und meinen gebührlichen Respekt dazu!

 

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